Anglo-Irish Bank: neuer Skandal um EU-Bankenrettung

Fallbeispiel Anglo-Irish Bank: neuer Skandal um EU-Bankenrettung

25. Juni 2013 • von Büso

Am 24.6. wurde Irland von einem Artikel des Enthüllungsjournalisten Paul Wilson im Irish Independent erschüttert, der in der Online-Ausgabe der Zeitung durch eine Audio-Aufnahme ergänzt ist: zwei hochrangige Manager der Anglo-Irish Bank diskutieren dort lachend und in vulgärer Ausdrucksweise, wie sie die Zentralbank und letztendlich den Steuerzahler dazu verleiten könnten, der Bank Milliarden an Euros zu geben.

Wilson, der für seine Reportagen über Kriminalität ausgezeichnet wurde, schrieb: „Die Audio-Aufnahmen stammen vom Telefonsystem der Bank selbst und datieren mitten aus der Finanzkrise, die den Staat im September 2008 auf die Knie zwang. Anglo stand wenige Tage vor der völligen Kernschmelze und kostete den Steuerzahler in den folgenden Jahren 30 Mrd. Mr. Bowe, einer der Manager, spricht mit einem anderen Manager, Mr. Fitzgerald, darüber, wie sie den Staat um eine Stützung von 7 Mrd. gebeten hatten, um Anglo zu retten – aber die Unterhändler der Bank wußten die ganze Zeit über, daß das bei weitem nicht reichen würde, um die Bank zu retten. Der Plan war, daß der Staat, wenn er erst einmal Geld fließen ließ, nicht mehr in der Lage wäre, damit aufzuhören.“ In der Aufnahme hört man Fitzgerald Bowe fragen, wie er denn auf die Zahl von 7 Mrd. gekommen sei. Bowe lacht und sagt: „Einfach, wie Drummer (der damalige Vorstandschef der Bank David Drumm) sagen würde, ,aus dem Arsch gezogen’.“

Die Manager sprechen über Anglos Strategie, die darin bestand, den Staat erst einmal hereinzulocken, sodaß dem Steuerzahler keine andere Wahl blieb, als weitere Kredite aufzubringen, um „ihr Geld zu retten“. Bowe sagt: „Wenn sie [die Zentralbank] von vornherein das enorme Ausmaß gesehen hätten, dann wäre sie vielleicht auf die Idee gekommen, daß sie auch anders entscheiden könnten. Du weißt, was ich meine? Sie könnten sagen, daß die Kosten für den Steuerzahler zu hoch sind… Aber wenn es am Anfang nicht zu groß ausschaut – wenn es groß ausieht, groß genug, um bedeutend zu sein, aber nicht zu groß, daß es alles kaputt macht, dann haben wir, denke ich, eine Chance. Ich denke, das kann durchgehen.“ Fitzgerald antwortete: „Ja. Es geht dann auch um ihre Haut, und das ist entscheidend.“

Die Anglo-Irish Bank wurde 2009 verstaatlicht. Das war 2010 der Auslöser für den Troika-Bailout und den Sturz der Fianna-Fail-Regierung und den Haß der irischen Bevölkerung auf die gegenwärtige, instabile Fine Gael/Labour-Koalition, die sich überschlägt, um den monströsen Sparforderungen des Finanzempire nachzukommen.

In den letzten Jahren wurden einige Manager der Bank verhaftet, aber immer nur für einzelne Betrugsfälle bei Insidergeschäften mit Bankkrediten. Die Polizei hat diese Fälle untersucht, aber es wurden nur recht wenige Beamte für diese Untersuchungen eingeteilt. Einige Beobachter vermuten, daß der Mitschnitt des Gesprächs der Wilson aus Polizeikreisen zugespielt wurde, weil diese selbst empört sind über die Kürzungen, die die Regierung bei der Polizei vorgenommen hat, was zur Schließung von Polizeidienststellen etc. führte.

Es gab im Lauf der letzten Jahre immer wieder Diskussionen über die Notwendigkeit einer Untersuchung der gesamten Bankenkrise, aber es ist nichts dergleichen geschehen. Taoiseach (Ministerpräsident) Enda Kenny sagte am Montag, er verstehe die Wut der Bürger, und es werde eine Untersuchung geben, aber dann sprach er über die Kanäle, über die eine solche Untersuchung durchgeführt werden müsse. Die Bevölkerung ist wütend über diese und ähnliche Äußerungen anderer Minister. Es gibt Forderungen, diese Untersuchungen sofort einzuleiten und ein Referendum durchzuführen, um den Ermittlungen Nachdruck zu verleihen.

Die „LaRouche Irish Brigade“, Lyndon LaRouches Mitstreiter in Irland, stehen im Gespräch mit führenden Persönlichkeiten des Landes über die Notwendigkeit einer Untersuchung, wie sie die Pecora-Kommission 1933 in den USA durchführte. Diese klärte den Weg für die strikte Bankentrennung unter Roosevelt mit dem Glass-Steagall-Gesetz.

http://www.bueso.de/node/6550

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