Dagestan: Syrien kommt nach Russland… Teil I

von F. William Engdahl (Übersetzung von politaia.org)

Die Ermordnung des hochangesehenen Religionsführer der Sufisten in der Republik Dagestan im unruhigen russischen Kaukasus ereignet sich etwa um die Zeit, als salafistische Dschihadisten in Libyen den US-Botschafter ermorden , der bei der Entmachtung Gaddafis und der Machtübernahme der salafistischen Moslembruderschaft und der Dschihadisten in Libyen eine Schlüsselperson darstellte. Heute wird im Namen des islamischen Fundamentalismus eine Hasswelle in der ganzen islamischen Welt losgetreten, die zu einem neuen Weltkrieg führen kann. Das ganze ist die Konsequenz aus dem  “Greater Middle East Project, welches 2010 und davor von bestimmten Kreisen in Washington, London und Tel Aviv angeschoben wurde. Wie F. William Engdahl uns hier verdeutlicht, ist die  Manipulation von religiösem Eifer ein gefährlicher Cocktail.

Teil I: Syrien kommt in den russischen Kaukasus

Der Unruheherd Kaukasus

Am 28. August wurde Scheich Said Afandi ermordet, der anerkannte geistliche Führer der autonomen Republik Dagestan. Ein Sebstmordattentäterin konnte in sein Haus eindringen und einen Sprengkörper zünden.Die Zielperson für den Mord wurde mit Bedacht ausgewählt. Sheich Afandi, ein 75-jähriger sufistischer Moslemführer, spielte eine kritische Rolle bei dem Versuch, in Dagestan die sunnitischen, salafistischen Dschihadisten mit anderen Fraktionen zu versöhnen, von denen sich viele als Anhänger des Sufismus sehen. Da keine Ersatzperson von seiner moralischen Statur in Sicht ist, fürchten die Behörden den Ausbruch eines Religionskrieges in der kleinen russischen autonomen Republik. [1]

Die Polizei berichtet, dass die Attentäterin eine ethnische Russin gewesen sei, welche zum Islam konvertierte. Sie hatte angeblich Verbindungen zu einer islamisch-fundamentalistischen oder salafistischen Aufstandsbewegung, welche gegen Russland und die moskautreuen Regionalregierungen in den autonomen Rebubliken des unruhigen moslemisch besiedelten Nordkaukasus gerichtet ist.

Zentralasien

Seit dem Ende des Kalten Krieges im Jahre 1990 sind ethnische Muslime in Russland und auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, einschließlich Usbekistan, Kirgistan und bis in die chinesische Provinz Xinjiang hinein, das Ziel mehrerer Operationen seitens der USA und der NATO. Washington betrachtet die Manipulation von muslimischen Gruppen als Mittel der Wahl, um unkontrollierbares Chaos in Russland und Zentralasien provozieren. Diese Aufgabe wird von einigen der Organisationen ausgeführt, welche gerade in Syrien engagiert sind und dort Chaos und Zerstörung als Waffe gegen das Regime von Assad einsetzen. Den russischen Sicherheitsdiensten ist vollkommen klar: Wenn sie den Dschihadisten-Aufstand in Syrien nicht unter Kontrolle bringen, wird er über den Kaukasus zu ihnen nach Hause kommen.

Die letzten salafistischen Morde an Sufisten und anderen moderaten Mulimführern im Kaukasus sind offenbar Teil der gefährlichsten US-Geheimdienstoperation aller Zeiten – das globale Spiel mit dem muslimischen Fundamentalismus.

Früher pflegten die US-Geheimdienste und ihre Verbündeten kurzlebige und schnelle Spiele mit religiösen Organisationen und Glaubensrichtungen zu spielen.Was die gegenwärtige Situation so enorm gefährlich macht, ist die unkalkulierbare Welle von Morden, Hasskampagnen und Zerstörungen ganzer Kulturen, die Washington im Namen der Demokratie losgelassen hat. Ganz besonders zu nennen ist die Entscheidung Washingtons, die Aufstände unter dem Etikett des “Arabischen Frühling” zu entfesseln, welche in Tunesien 2010 begannen und sich wie ein Buschfeuer über die ganze arabische Welt ausbreiteten….

Washinton benutzt angebliche Al Kaida-Gruppen, saudische Salafisten oder Wahabiten oder die Anhänger der türkischen Fethullah Gülen-Bewegung, um das Feuer des Religionshasses innerhalb des Islam und nach außen gegen andere Glaubensrichtungen zu entfachen. Es mag Jahrzehnte in Anspruch nehmen, dieses Feuer wieder zu löschen. Und es könnte leicht in einen neuen Weltkrieg ausarten.

Der Fundamentalismus kommt in den Kaukasus

Nach der Auflösung der Sowjetunion überschwemmten radiakle afghanische Muhadedschin und Islamisten aus Saudi-Arabien, der Türkei, Pakistan und anderen muslimischen Ländern in die muslimischen Regionen der ehemaligen UdSSR. Eine der am besten organisierten Gruppen war die Gülen-Bewegung von Fethullah Gülen, dem Führer eines globalen Netzwerkes von islamischen Schulen, welche angeblich einen großen Einfluss in der AKP des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan ausübt.

Gülen baute sofort das Internationale Dagestanisch-Türkische Kolleg in Dagestan auf. In den chaotischen Tagen nach dem Kollaps der UdSSR hatte der Justizminister der Russischen Föderation die Aktivitäten einer ganzen Reihe von islamischen Stiftungen und Organisationen offiziell registriert und ohne Einschränkungen erlaubt. Darunter sind die Liga der Islamischen Welt, die Versammlung der muslimischen Weltjugend und die angeblich Al Kaida nahestehende saudische Stiftung Ibrahim ben Abd al-Aziz al-Ibrahim.Die Liste beinhaltet auch die Organisationen Al-Haramein (eine saudische Stiftung mit Verbindungen zu Al Kaida) und die IHH [2], eine in Deutschland verbotene türkische Organisation, die angeblich Gelder für die Dschihadisten in Bosnien, Tschetschenien und Afghanistan besorgte und der vom französischen Geheimdienst Verbindungen zu Al Kaida nachgesagt werden. [3] Viele dieser Hilfsorganisationen sind Tarnorganisationen für fundamentalistischen Salafisten mit ihren eigenen speziellen Vorstellungen.

Da viele der ausländischen Islamisten in Tschetschenien und in Dagestan am Schüren von regionalen Unruhen und Bürgerkriegen beteiligt waren, entzogen die russischen Behörden den meisten die Erlaubnis, Schulen und andere Einrichtungen zu führen. In den späten 1990er Jahren während des Tschetschenien-Krieges gab es mehr als 2 Dutzend islamische Institute, etwa 200 Islamschulen und zahlreiche  Koranschulen…

Das Internationale Dagestanisch-Türkische Kolleg war eines der Institute, welches seine Tore in Dagestan schließen musste. [4] Nachdem die Russen Ende der 1990er Jahre den salafistischen Umtrieben innerhalb des Landes einen Riegel vorgeschoben hatten, gab es einen Exodus von hunderten junger muslimischer Studenten aus Dagestan und Tschetschenien in die Türkei, nach Saudi-Arabien, Pakistan und anderen Ländern des Mittleren Ostens, wo sie angeblich von der Gülen-Bewegung und anderen Organisationen ausgebildet wurden, die von den Saudis finanziert wurden.[5] In Russland ist man der Ansicht, dass diese Studenten nach ihre Ausbildung in den fundamentalistischen Institutionen nach Dagestan und den Nordkaukasus zurückgeschickt wurden, um dort den radikalen Islam zu predigen.

Um 2005 herum stand die Situation im Kaukasus so unter dem Einfluss dieser salafistischen Intervention, dass der tschetschenische Salafist Doku Umarov (dem vom UN-Sicherheitsrat Verbindungen zu Al Kaida testiert werden) einseitig die Errichtung eines kaukasischen Emirats deklarierte. Er verkündete, dass er einen islamischen Staat zu gründen plane, der den ganzen Nordkaukasus inklusive Dagestan umfasse. Bescheidenerweise ernannte er sich gleich selbst zum Emir.[7]

Teil II: https://po.neopresse.com/kriege/salafismuscia-syrien-kommt-nach-russland-teil-ii-und-iii/

[1] Dan Peleschuk, “Sheikh Murdered Over Religious Split Say Analysts,” RIA Novosti, August 30, 2012.

[2] Mairbek Vatchagaev, “The Kremlin’s War on Islamic Education in the North Caucasus=3334],” North Caucasus Analysis Volume: 7 Issue: 34.

[3] Iason Athanasiadis, “Targeted by Israeli raid: Who is the IHH?,” The Christian Science Monitor, June 1, 2010.

[4] Ibid.

[5] Mairbek Vatchagaev, op. cit.

[6] UN Security Council, QI.U.290.11. DOKU KHAMATOVICH UMAROV, 10 March 2011. The UN statement reads: “Doku Khamatovich Umarov was listed on 10 March 2011 pursuant to paragraph 2 of resolution 1904 (2009) as being associated with Al-Qaida, Usama bin Laden or the Taliban for “participating in the financing, planning, facilitating, preparing, or perpetrating of acts or activities by, in conjunction with, under the name of, on behalf of, or in support of”, “recruiting for”, “supplying, selling or transferring arms and related materiel to” and “otherwise supporting acts or activities of” the Islamic Jihad Group (QE.I.119.05), the Islamic Movement of Uzbekistan (QE.I.10.01), Riyadus-Salikhin Reconnaissance and Sabotage Battalion of Chechen Martyrs (RSRSBCM) (QE.R.100.03) and Emarat Kavkaz (QE.E.131.11).”

[7] Tom Jones, “Czech NGO rejects Russian reports of link to alleged Islamist terrorists al-Qaeda,” May 10, 2011.

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