Experte Rahr: Europa muss Russland als Führungskraft akzeptieren – “Rossijskaja Gaseta”

MOSKAU, 02. Dezember (RIA Novosti).

Russland sollte seinen eigenen Weg gehen, ohne sich auf seine Schwierigkeiten mit Europa zu konzentrieren, schreibt die Zeitung “Rossijskaja Gaseta” am Freitag.

Davon zeigte sich der deutsche Politologe Alexander Rahr bei seiner gestrigen Ernennung zum Ehrenprofessor der Moskauer Wirtschaftshochschule überzeugt.

In seiner Rede sprach er über die Vergangenheit und Zukunft der Beziehungen Russlands mit Deutschland und dem Westen. Westliche Experten sind sich immer noch nicht einig, welcher Auslöser zum Zusammenbruch  der Sowjetunion führte – das vom einstigen US-Präsidenten Ronald Reagan begonnene Wettrüsten oder die Ostpolitik der späten 1980er Jahre, die zur Folge hatte, dass Moskau innenpolitisch Milde zeigte, betonte Rahr.

Er versuchte, fünf wichtige Fragen zu beantworten, die die russisch-deutschen Beziehungen, insbesondere die verpassten Möglichkeiten und Fehler betreffen, die die Europäer gegenüber Moskau begangen haben. Diese Fehler haben ihm zufolge dazu geführt, dass sich im Westen wohl kein einziger Optimist findet, der an das einst beliebte Projekt „gemeinsames europäisches Haus“ vom Atlantik bis zum Pazifik glaubt.

Im Gegenteil: In der westeuropäischen Politik seien in den letzten zehn Jahren gewisse „Dogmen“ in Bezug auf Russland entstanden. Eigentlich hätte Russland bereits vor 20 Jahren in ein gemeinsames europäisches Bündnis aufgenommen werden können, allerdings nur als „jüngerer Partner“. Doch das kam für Moskau nicht infrage, weshalb 2005 bzw. 2008 beinahe ein neuer Kalter Krieg ausgebrochen wäre, stellte Rahr fest.

Die konsequente Missachtung der russischen Interessen im Westen, die ständige Weigerung der Amerikaner und Europäer, Russland als eine europäische Großmacht anzuerkennen, könne neue Konflikte verursachen, warnte der Politologe. Die Europäer wollen nicht einsehen, dass sie den künftigen Herausforderungen nur gemeinsam mit Russland meistern können.

In diesem Kontext beteuerte Rahr, dass Deutschland wie kein anderes Land in Europa die Bedeutung Russlands für die europäische Stabilität verstehe. Deshalb sei man in Berlin an einem Aufbau Europas der Zukunft unter Beteiligung Russlands interessiert.

Aber auch Moskau sollte sich die Situation in Europa genauer anschauen, fuhr der Experte fort. Allerdings mit Blick auf das Jahr 2020. Außerdem sollten die Russen die Beziehungen mit Europa nicht als Nebensache betrachten, wenn sie sich auf den Dialog mit den USA konzentrieren. Die Deutschen fühlen sich gekränkt, wenn Moskau seine potenziellen europäischen Verbündeten vernachlässige und nur Washington zuhöre, betonte er.

Wenn die Krise überstanden sei, würde Europa sich gewandelt haben, sagte Rahr voraus. Die absolute Führungsrolle werde dabei Deutschland gehören, das jetzt die größte Last bei der Rettung seiner Nachbarn tragen müsse. Wenn heute ein neuer Bundeskanzler gewählt werden sollte, dann würde ein SPD-Kandidat  gewinnen, weil die Sozialdemokraten sich für den Ausbau  der Ostpolitik einsetzen. Nach einem Machtwechsel in Berlin würde Moskau neue Möglichkeiten für die Annäherung mit Europa bekommen. Irgendwann komme die Zeit, wenn Russland der EU eine gemeinsame Lösung der Wirtschaftsprobleme offerieren werde, zeigte sich der Experte überzeugt.

http://de.rian.ru/politics/20111202/261651887.html

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