Ischtschenko zu China und den Amis

Ischtschenko zu China und den Amis

Übersetzung eines Artikels von Rostislaw Ischtschenko (Quelle).

Für Russland ist nur der Konflikt zwischen den USA und China vorteilhaft, der zur Lösung herangereift ist

Flottenadmiral Harry Harris, der die Pazifikflotte der USA befehligt, hat am Mittwoch erklärt, dass Amerika bereit ist, China im Südchinesischen Meer entgegenzutreten, wenn es weiter seine „ungesetzlichen Ansprüche“ durchsetzen will. Die Erklärung eines so hochrangigen Militärs ist an und für sich schon kein Scherz.

Zur Pazifikflotte: die größte und mächtigste Gruppierung der Armee der USA, die drei operative Flotten einschließt (3., 5. und 7.) und zu der 5 Divisionen atomare Raketen-U-Boote (38 Einheiten) und 2 Expeditionskörper der Marineinfanterie gehören (insgesamt über 100000 Menschen).

Diese Erklärung wird noch bedeutsamer, wenn man berücksichtigt, dass die Erklärung sofort nach der unzweideutigen Beleidigung, die tatsächlich vom gewählten Präsidenten der USA, Donald Trump, ertönte.
Trump hatte sich telefonisch mit dem Präsidenten Taiwans (das China für sein Territorium hält) besprochen und als Antwort auf die Empörung Pekings erklärt, dass er nicht versteht, warum die USA an der Politik „des einen Chinas“ festhalten sollen, wenn es ihnen nicht gelingt, sich mit China zu anderen Fragen zu vereinbaren.
„Andere Fragen“ sind zum Beispiel eine Verlegung von Industrieunternehmen der amerikanischen Gesellschaften aus China auf das amerikanische Territorium, sowie die Forderung, den chinesischen Renminbi/Yuan in Bezug auf den Dollar zu stabilisieren.
Trump versucht nicht einfach, sein Vorwahlversprechen zu erfüllen und das amerikanische Kapital zu zwingen, im Land zu investieren. Die Realisierung seiner Pläne in der chinesischen Richtung ist nicht nur die Schaffung von tausenden Arbeitsplätzen in den USA, die allerdings China verlieren wird, sondern Trump versucht auch alles, Amerika den Status „der Werkstatt der Welt“ zurückzugeben.

Deshalb wird die Forderung nach Rückführung der amerikanischen Industrie auf die heimatliche Erde von der Forderung nach der Stabilisierung des Yuans gegenüber dem Dollar begleitet. Dann muss man „nur noch“ die erzeugte Produktion verkaufen – und für die nationalen Hersteller/ Exporteure schafft der schwache Dollar dafür sehr günstige Bedingungen.

Fast ein Ultimatum

Die Gesamtheit der Erklärungen des gewählten Präsidenten der USA (und des Oberbefehlshabers der Pazifikflotte) klingt wie ein an China gestelltes Ultimatum. Entweder Peking gibt den USA die Industrie und die Märkte „freiwillig“ zurück, oder das aktuelle Niveau der militärischen Konfrontation (das ohnehin schon hoch ist) wird von Amerika bis an die Grenze geführt werden.
Es sind auch die Punkte umrissen, um die herum die Opposition geplant wird. Die USA werden die Liquidation der von China aufgebauten Militärstützpunkte im Südchinesischen Meer (auf den Spratly-Inseln) fordern. Washington wird auch die Unterstützung der Taiwanpolitiker verstärken, die für die Unabhängigkeit der Insel auftreten und wird die militär-technische Hilfe für Taiwan intensivieren. Auf die gleiche Weise werden die USA alle Länder der Region unterstützen, mit denen Peking im territorialen Streit liegt. Das sind Vietnam, die Philippinen, Malaysia und erneut Taiwan.
Zusammenfassend: Trump hat sich China genau so zugewendet, wie es Clinton mit Russland gemacht hätte – sie haben bei einem Präsidenten, der sich für die Erringung seiner politischen Ziele einsetzt, die diplomatischen Verhandlungen durch militärische Erpressung ersetzt, und die Situation damit bis zu jenem feinen Rand hingeführt, hinter dem sich der Beginn von Kriegsoperationen spontan – ausgelöst von einer beliebigen Zufälligkeit – entwickeln kann.

Wer ist mit wem mehr befreundet

Dabei ist China der Verbündete (wenn auch nur inoffiziell) Russlands. Peking hat die Position Moskaus zu Syrien im UN-Weltsicherheitsrat vor wenigen Tagen unterstützt. In den letzten Jahren werden immer umfangreichere gemeinsame Übungen der Landstreitkräfte und der Kriegsflotten Russlands und der Volksrepublik China durchgeführt.

Die Hauptsache besteht für Russland darin, dass sich ohne China die Konzeption des Großen Eurasiens, die der internationalen Politik Moskaus im letzten Jahrzehnt zugrunde gelegt war, ins Nichts auflöst. Außerdem wird diese Konzeption auch zerstört, falls China die industrielle Macht und die Möglichkeiten des internationalen Handels entzogen werden.

Wenn als Hauptlieferant der industriellen Waren nach Europa die USA den Platz Chinas einnehmen, so werden auch die Handelswege Russlands einen Umweg machen und es wird ökonomisch (und das ist natürlich auch militärisch-politisch) eine Neuausrichtung der EU auf Amerika erfolgen.
Sogar die Projekte der Transatlantischen Handels-und Anlagepartnerschaft und die Transpazifische Handelspartnerschaft, die heute noch von Trump desavouiert werden, könnten sich dann wieder als aktuell erweisen.

Im Allgemeinen kann Trump alles das, was die Globalisten im direkten Zusammenstoß mit Russland verloren haben, mit Hilfe dieses Manövers wiedergewinnen, nämlich den Hauptschlag gegen Russland (das sie nicht vernichten konnten) einfach zu verlegen, und zwar auf China, dessen militärische Macht sie sich wesentlich schwächer – als die russische – vorstellen.

Wenn China das Ultimatum Trumps ablehnt (und die Wahrscheinlichkeit liegt bei nahezu 100 %), wird er mit russischer Unterstützung rechnen. Dafür ist Trump offenbar dann auch zu ernsthaften Zugeständnissen gegenüber Moskau bezüglich Syriens und Europas bereit. Warum es heute nicht überlassen, wenn man im Begriff ist, es morgen – nach dem Sieg über China – wiederzugewinnen?

Ein Dreieck schaffen

Sich mit Washington im Westen zu vereinbaren, und gleichzeitig seinen Opponenten im Osten zu unterstützen wird nicht einfach sein. Die Amerikaner werden sich – entsprechend ihrer diplomatischen Tradition – bemühen, alle Probleme in einem Paket zu koordinieren und die Vereinbarungen zu Syrien, zur Ukraine und zur EU von der neutralen Position Russlands in der Opposition der USA mit China abhängig zu machen.

Solche Lösungen sind für Russland immer unannehmbar, denn wenn die USA siegen werden, so wird Moskau alle in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten erworbenen Positionen verlieren. Wenn Peking allein und aus eigener Kraft gegen die USA gewinnen werden, dann wird es sich heftig steigern, aber wird deswegen immer noch kein Freund Russlands. Im Gegenteil, China wird auf eigene Rechnung versuchen, die Verluste aus der Opposition mit den USA zu kompensieren.

Die einzige Russland zuträgliche Variante der Östlichen Strategie ist die Organisation von dreiseitigen (Moskau-Peking-Washington) Verhandlungen. Es ist schon klar, dass die Partner nicht vor Begeisterung klatschen werden, wenn Russland versucht, sich in ihren Streit mit einer schlecht verborgenen vermittelnden Mission hineinzuzwängen.

Jedoch kann Moskau auf vollkommen amerikanische Weise in diesem Fall handeln. Da die militärische Gefahr im Pazifischen Ozean auch den Grenzen Russlands droht, kann es natürlich mit dem Vorschlag, die Region zu entmilitarisieren, auftreten. Da man eine solch komplizierte Frage nicht sofort entscheiden darf, beschränken sich die Meinungsäußerungen auf die Entfaltung der Kräfte der Flotten mit ganz klar erkennbarer Verteidigungskonfiguration.

Die Hauptkräfte der Pazifikflotte der Russischen Föderation befinden sich an den verwandten Küsten. Außerhalb von Wladiwostok, der Kurilen und Kamtschatkas hat Russland keine Basen. Für die wirksame Verteidigung der Küste Chinas muss man die Wasserfläche der küstennahen Meere kontrollieren, wofür dann Basen gebaut werden.
Also kann man sich über den Verzicht auf den Bau neuer und das Einfrieren nicht zu Ende gebauter Basen vereinbaren (wenn es zum Ende der Verhandlungen welche gibt). Die USA müssen, als vertrauensbildende Maßnahme, die operativen Flotten zu den verwandten Küsten zurückberufen. Die führenden Basen auf Hawaii und Alaska dienen zur ausreichenden Garantie der Sicherheit des Festlandes Amerikas.

Die Zeit arbeitet für Russland

Es ist klar, dass die Erringung einer Vereinbarung zu diesen oder ähnlichen Bedingungen tatsächlich unrealistisch ist. Aber das Abkommen ist für uns prinzipiell auch nicht wichtig. Es geht eigentlich um einfach unendliche Verhandlungen zur Sache.

Die Situation in Syrien und in der Ukraine entwickelt sich – in der EU folgerichtig auch – so, dass die Zeit für Russland arbeitet. Bei solcher Dynamik und der Richtung der Entwicklung der Ereignisse besteht die Frage nicht darin, ob sie in die Vormundschaft Moskaus übergehen werden. Es entsteht eher die Frage wie viel vom Ganzen übergehen wird. Je länger die USA im Osten beschäftigt sind, desto mehr Zeit und Möglichkeiten hat Russland, das für sich günstigste Format des Übergangs zu entwickeln.

Am meisten muss sich Trump beeilen, der seinen Wählern schon 2019 ein Zwischenergebnis vorlegen will. China muss so schnell wie möglich sich seine Handlungsfreiheit sichern. Die regionale Krise bindet alle seine Ressourcen und lässt es nicht zu, eine aktive Politik in anderen Richtungen durchzuführen.

Für Russland ermöglicht die Konzentration der Verhandlungen im Osten, sich im Westen Handlungsfreiheit zu verschaffen und danach alle befreiten Ressourcen in der östlichen Richtung zu konzentrieren.

Außerdem wird die Tatsache des Einverständnisses der USA mit der Diskussion über die Kürzung der Anwesenheit von Militär in der Region die Positionen Moskaus im territorialen Streit mit Tokio stärken. Japan muss berücksichtigen, dass sich die Frage über den Abzug der amerikanischen Basen von ihrem Territorium, die es jetzt versucht, auch für den Handel um die Südkurilen zu verwenden, und die ohne ihre Teilnahme – in direkten Verhandlungen Russlands mit den USA – entschieden werden kann.

Nach ihrem Wesen braucht heute Russland in Fernost eigentümlicherweise genauso einen lokalen „Minsker Prozess“ – Verhandlungen um der Verhandlungen wegen – das Spiel auf Zeit ist heute hier entscheidend wichtig. Ganz einfach deshalb, weil beliebige heftige Handlungen die Positionen verschlimmern und die Zeitverzögerung den Raum für mögliche Lösungen dehnen.

Zahlen, die zusätzlich dem Text beigefügt sind:

p.s. Die US-Kriegsmarine will ihre Flotte bis auf 355 Schiffe vergrößern, berichtet das Militärportal „Defense News“. Das wird die größte Erweiterung der Flotte seit den 1980er Jahren.

Zurzeit sind bei der US-Marine 308 Schiffe im Einsatz. Bald sollen ein weiterer Flugzeugträger, 16 große Schiffe, 18 Mehrzweck-U-Boote, vier Landungsfahrzeuge, drei Expeditionsplattformen und fünf Unterstützungsschiffe geliefert werden. Unter Verweis auf namentlich nicht bekannte Militärs schreibt das Portal, dass auch die Zahl der taktischen Jagdflugzeuge steigen soll, darunter Boeing F/A-18 E und F Super Hornets. Anderen Quellen zufolge soll die Zahl der Seeleute auf 350.000 Personen steigen. Zurzeit sind es 234.000 Menschen. Die Militärs hoffen dem Portal zufolge darauf, dass die neue US-Administration unter Leitung des designierten Präsidenten Donald Trump die Haushaltseinschränkungen in diesem Bereich abschwächt.

p.p.s. Nicht dass China Angst vor den Raketenabwehr – oder Marine-Plänen der USA habe: „In Wirklichkeit können die USA den Raketenschild nur in Südkorea und Japan stationieren, während das Wachstumstempo der chinesischen Kriegsflotte dermaßen groß ist, dass Peking binnen zehn Jahren alle anliegenden Meere mit seinen Geschwadern spicken kann.“
vz.ru/Sputnik

Quelle

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