Radioaktive Abfälle im Norpolarmeer – Karasee

von Grigori Milenin (der Artikel erschien in Stimme Russlands am 04.09.2012)

Die russische Atom-Holding Rosatom und die norwegische Behörde für Nuklearsicherheit haben einen gemeinsamen Einsatz in der Karasee gestartet. Ins Visier rückt das versenkte sowjetische Atom-U-Boot K-27. Die Frage ist, ob es geborgen werden soll, um eine Strahlenverseuchung zu vermeiden.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist der Boden der Karasee ein Friedhof für Atommüll. Vor der Doppelinsel Nowaja Semlja liegen tausende Container mit abgebrannten Kernbrennstäben und zwei Dutzend Schiffe mit radioaktivem Material. Darüber hinaus sind mehrere Atomreaktoren und ein ganzes Atom-U-Boot im Meer versenkt. Das macht seit Jahren den Umweltschützern zu schaffen. Wladlen Korobkin, Mitglied der Russischen Akademie der Naturwissenschaften, sagte STIMME RUSSLANDS, die radioaktive Verseuchung könne durch Unterwasserströmungen weiterverbreitet werden:

„Zunächst gingen die Experten davon aus, dass sich die Wassermassen dort kaum vermischen. Wenn der Atommüll einige Hundert Meter tief liege, entstehe dadurch kein Schaden, hieß es damals. Dann stellte es sich heraus, dass es doch eine Vermischung gibt und diese Abfälle allmählich nach oben kommen. Die dortigen Strömungen sind zwar sehr langsam, es gibt sie jedoch. Selbst wenn man etwas im Marianengraben versteckt, werden sich diese Abfälle allmählich über das ganze Weltmeer ausbreiten. Man darf keine Schadstoffe, darunter auch keinen Atommüll im Meereswasser begraben“.

Laut anderen Experten könnten radioaktive Partikel durch Seetiere übertragen werden. Der für russische Seeprogramme WWF-Koordinator Konstantin Sgurowski sagt, die Nahrungskette sei ein möglicher Mechanismus der Verseuchung:

„Bei einer Zerstörung von Reaktorwänden wird es zum Austritt von Radioaktivität kommen, die dann durch Meeresströmungen weiterverbreitet werden kann. Eine Versuchung droht auch Plankton-Organismen, die von Fischen gefressen werden und damit schließlich auf unseren Tellern landen. Eine Versuchung durch ozeanische Nahrungsketten ist also am wahrscheinlichsten“.

Andere Wissenschaftler stimmen diesen Befürchtungen nicht zu. Der für Umweltschutz zuständige Vizechef des Instituts für Meereskunde der Russischen Wissenschaftsakademie, Michail Flint, sagte STIMME RUSSLANDS, in der Karasee gebe es keine erhöhten Strahlungswerte:

„Das russische Katastrophenschutz-Ministerium hat das Meeresgebiet seit Jahren beobachtet. Eine detaillierte Studie wurde etwa im Jahr 2007 vorgelegt. Zuvor nahm eine Expedition den versenkten Atommüll am nördlichen Ende der Nowaja Semlja in der Karasee unter die Lupe. Es gibt keine Hinweise auf einen Austritt von Radioaktivität. Das Endlager wurde dort sehr sorgfältig eingerichtet“.

Das Atom-U-Boot K-27, das den norwegischen Umweltschützern so viel Kummer bereitet, wurde im Jahr 1982 in der Karasee versenkt, weil keine Reparaturen nach der damaligen Strahlungs-Havarie möglich waren. Vor der Entsorgung wurde der zerstörte Meiler mit einer speziellen Lösung gefüllt, die den Austritt radioaktiver Stoffe ausschloss. Um einen Kontakt von Spaltstoffen mit dem Meereswasser zu verhindern, wurden 270 Tonnen Bitum in den beschädigten Raum eingepumpt. Laut Flint sind die norwegischen Besorgnisse und Vorschläge, das U-Boot zu bergen und an Land zu entsorgen, eher politisch motiviert:

„Manchmal tun die Menschen etwas aus politischen Gründen, was sie aus pragmatischen Gründen nie getan hätten. Soll man überhaupt etwas mit den Objekten anfangen, für deren Sicherheit wir garantieren, solange sie auf dem Meeresboden bleiben? Und falls wir sie bergen, sind viele unvorhersehbare Umstände möglich – sowohl technisch als auch rein naturbedingt. Denn in der Karasee gibt es extrem starke Stürme. Vor diesem Hintergrund sind diese Vorschläge für mich fraglich. Einerseits gibt es keine Hinweise auf einen drohenden Austritt radioaktiver Stoffe, andererseits ist die technische Seite möglicher Bergungsarbeiten bei weitem nicht tadellos. Deshalb ist all dies aus meiner Sicht politisch gefärbt“.

Flint sagte weiter, die wichtigste Aufgabe bestehe heute darin, die Rohstoffgewinnung in der Karasee zu kontrollieren. Möglichst scharfe Kontrollen seien vor allem in Bezug auf die dortigen Bohrarbeiten nötig. Wenn der versenkte Atommüll unberührt bleibe, sei er nicht gefährlich. Falls ein Endlager jedoch durch eine Bohrung gestört werde, könne die Strahlenversuchung der Karasee schwer schaden, warnte Flint.

http://german.ruvr.ru/2012_09_04/87159994/

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