Syrien, der russische Brückenkopf im Nahen Osten

Daesh -Terroristen

Thierry Meyssan beantwortete die Fragen von Alexandre Artamonov (Pravda TV) über die Situation in Syrien und die Geopolitik im Mittelmeer.

von Alexandre Artamonov

Eine kurze, nicht wörtliche Übersetzung des Interviews:

Pravda TV : Guten Tag auf Pravda.ru. Ich, A. Artamonov, habe das Vergnügen hier T. Meyssan, den bekannten Geoanalytiker per Skype aus Syrien zu empfangen. Guten Tag T. M. Jeder kennt T. Meyssan, in Frankreich und in Russland und so brauche ich ihn nicht vorzustellen mit seinem Website Voltaire.

Erste Frage an TM: Laut dem fr. Außenminister Y. Le Drian (11.Sept 2016) käme die französische Flotte auf Dauer ins Mittelmeer und ins Schwarze Meer, was einer Änderung der Politik der Nato gleichkäme.

T. Meyssan: Zuerst zur dauernden Anwesenheit der Flotte: laut den internationalen Abkommen dürfen die westlichen Schiffe nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer verweilen. Daher wird es sich um ein kontinuierliches Abwechseln der westlichen Schiffe handeln. Ich glaube nicht dass es etwas Neues ist, da die NATO, besonders seit dem Kiew-Putsch, dort schon präsent ist. Dann zum Mittelmeer im Allgemeinen: es ist ein Meer mit Geschichte. Es ist nicht, wie man glaubt, eine konfliktreiche Geschichte zwischen dem Norden und Süden, sondern seit Jahrhunderten ein Konflikt zwischen dem Westen und dem Osten des Mittelmeeres. Die Staaten, die dort Interessen besitzen, sind Frankreich, England, aber auch die USA, Russland und was man vergisst, auch China, weil schon am Ende des Altertums das Mittelmeer ein chinesisches Meer war.

Pravda TV: Hm. Einverstanden. Und noch etwas zum Schwarzen Meer: Ein franz. Schiff „Le Dupuy de l’homme“ (genauer Name unverständlich) soll  permanent im Schwarzen Meer anwesend sein.

Im Umkreis von 300 km geht nichts mehr. Folglich sind die Dschihadisten der Terrorallianz USA-Israel-Saudi-Arabien-Türkei-Katar vereinzelt und können nicht mehr miteinander kommunizieren.
Im Umkreis von 300 km geht nichts mehr. Folglich sind die Dschihadisten der Terrorallianz USA-Israel-Saudi-Arabien-Türkei-Katar vereinzelt und können nicht mehr miteinander kommunizieren.

T. Meyssan: haha! Es ist ein Spionageschiff, aber es wird nicht lange dort bleiben, weil Russland dort, wie hier in Syrien und in Kaliningrad [Königsberg] an der deutschen Grenze eine Art Störgerät, das die Nato-Kommunikationen im Umkreis von 300 km unmöglich macht, rund um die Krimbasis installiert hat. So glaube ich nicht, dass dieses Schiff dort noch lange bleiben wird.

Pravda TV: Auf dem Natogipfel von Warschau sprach man von dem Schwarzen Meer als russische Achse sowie das Mittelmeer als Achse des französischen Imperiums im 19. Jht. angesehen wurde. Sind Sie damit einverstanden?

T. Meyssan: übertrieben. Aber das ist eine Art und Weise für die Nato, zuzugeben, dass sie das Wort dort nicht mehr hat.

Pravda TV: Zur Türkei: Glauben Sie dass die Türkei und Russland dort (schwarzen Meer) gemeinsam gut auskommen können?

T. Meyssan: Ich persönlich glaube absolut nicht an die Annäherung dieser beiden Staaten, die von gewissen Autoren vorgebracht wurde. Sie sind grundlegend feindliche Staaten; schon bei dem Terrorismus der 90er Jahre im Kaukasus wurden die Dschihadisten von der Türkei, d.h. von der Mili Gorus, dessen Chef Erdogan war, unterstützt. Die Türkei hat eine lange Tradition der Destabilisierung von Russland. Beide Länder sind auch in Syrien Feinde. Nur die Sorge, dass die PKK und die syrischen Kurden gemeinsam einen Staat vom Norden Syriens abzweigen könnten, bildet eine einmalige Annäherung der beiden Länder. Es gab einen ökonomischen Bruch zwischen ihnen, die Wirtschaft wurde dann wiederhergestellt, sehr gut, aber Wirtschaft ist nicht Politik, noch eine militärische Angelegenheit. In dieser Hinsicht ist die Opposition der beiden Staaten unwiderruflich. Geschichtlich existiert seit sehr langer Zeit eine Opposition zwischen den beiden und die Türkei hat sich da auch nicht sehr anständig benommen. Ich glaube nicht, dass sich das ändern wird.

Pravda TV : Gut. Ich vertraue Ihnen. Wir wurden ja alle überrascht durch diese unglaubliche Wende, die dem komischen, versagten Putsch in der Türkei gefolgt hätte. Anderer Punkt: die fr. Ausgabe des Saker, (aus den USA), behauptet, Putin könnte Schiedsrichter zwischen Erdogan und al-Assad spielen.

T. Meyssan: ich glaube das ist ein Irrtum. Leider kann nichts zwischen Syrien und all den Ländern, die Syrien angreifen, verhandelt werden. Das einzig mögliche wäre Frieden zu machen. Dieser Krieg existiert heute nur, weil ausländische Mächte, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar auf Anforderung der USA militärisch und finanziell bewaffnete Gruppen aus allen Ländern unterstützen, die man „moderate Rebellen“ nennt, die aber weder Rebellen sind, weil Ausländer, noch moderate, weil sie den grausamsten Terrorismus betreiben. Vorzugeben, dass Putin eine Schiedsrichterrolle spielen könnte, ist falsch, und würde glauben machen, dass dieser Krieg von zwei gegeneinander eingestellten Mächten mit geteilten Interessen ausgetragen wird.

Leider ist es ein existenzieller Krieg und nicht ein Krieg um die Ressourcen in Syrien. Ich denke daher, dass es eine Illusion seitens der USA ist. Ich glaube unsere Freunde haben schlecht verstanden, was im Sommer in der Türkei passiert ist. Es gab einen Putschversuch und es ist für alle klar, dass er von den USA organisiert wurde. Aber es ist auch klar, dass dieser Versuch derart gemacht wurde, damit er versagt. Nichts wurde gegen Erdogans Hauptquartier unternommen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten diesen Versuch zu interpretieren: entweder war es eine „Warnung“ an Erdogan, damit er sich beruhigt… was aber sehr unwahrscheinlich ist oder ein gewollter Fehlschlag des Putsches mit Einverständnis von Erdogan, um ihm die Mittel zu geben, um seine Opposition niederzumachen. Was Erdogan auch sofort unternahm. Wenn er auch zuerst einige Anhänger von Fethullah Gülen verhaftete, war das nur eine Täuschung, denn Fethullah Gülen ist ein Islamist, während die Urheber des Putsches ja Kemalisten sind. Erdogan dehnt heute seine Repression auf alle laizistischen Gruppen und auf Anhänger der kurdischen Minoritäten aus.

Pravda TV: Danke. Zurück zum Flugzeugträger Thema im Mittelmeer: Der Hafen Tartus in Syrien. Er ist seit langem ein russischer Stützpunkt, aber das strategische Observatorium (Schweiz, Autor Richard Labeier,(?) (15 sept) behauptet in einem Artikel von gestern (Titel „Das Mittelmeer ist nicht mehr ein westliches Meer“), die Chinesen würden sich auch dort neben den Russen einrichten.

karte_westwall
Der Westwall, entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches (von den Westalliierten auch Siegfried-Linie genannt), war ein über ca. 630 km verteiltes militärisches Verteidigungssystem, das aus über 18.000 Bunkern, Stollen sowie zahllosen Gräben und Panzersperren bestand. Er verlief von Kleve an der niederländischen Grenze in Richtung Süden bis nach Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze. Quelle: Wikipedia

T. Meyssan: Ich bestätige: Eine chinesische Einheit macht dort Arbeiten, um später, nicht sofort, einen Anlegeplatz für chinesische Schiffe vorzubereiten. Derzeit gibt es keine chinesischen Soldaten in Syrien und ganz allgemein, die chinesische Armee geht jeglicher Konfrontation mit den westlichen Mächten, außerhalb ihres Einflussgebietes, aus dem Weg. Etwas sehr wichtiges, das man verstehen sollte. Während der ganzen Kriegszeit in Syrien hat China vermieden, sich militärisch einzumischen, wohl aber intensiv auf diplomatischer Ebene mitgemacht, und es ist Russland im Sicherheitsrat bei allen Vetos gefolgt und hat auch verboten, Suchgeräte für die syrische Verteidigung gegen die von den Dschihadisten, der Nato also, gegrabenen Tunnel zu liefern. Die Dschihadisten haben enorme Befestigungen gebaut, grösser als die deutschen Bauten, mehr Beton als für die Siegfried-Linie* [siehe Bild links]. Das Nichteinmischen Chinas ist noch immer heute so. Daher glaube ich, dass der Anlegeplatz für China in Tartus auf kurze oder mittlere Zeit keine militärische Auswirkung auf den aktuellen Konflikt haben wird.

Pravda TV: Ok. Zur Konfrontation mit Isis oder Daesh, die ihrer Meinung nach eine Kreation der NATO ist: Eine franz. Quelle zitiert 400000 Dschihadisten. Sie versteckten sich in der Wüste. Sie müssen aber versorgt werden mit Brot, Wein und Wasser. Wie funktioniert das?

T. Meyssan: Niemand weiß mit Genauigkeit wieviele sie sind, außer jenen, die sie finanzieren (Gelächter). Von syrischer Seite ist die Schätzung in Syrien: 200000 bis 250000 Kämpfer. Sie sind aber auch im Irak. Zusammen könnten sie 400000 ausmachen.

Pravda TV: Sie müssen aber essen! Enorme Menge Leute. Wie ein Armeekorps des 2. Weltkrieges.

T. Meyssan: Ja enorm! Aber es handelt sich um einen Weltkonflikt der sich in zwei Staaten abspielt, ein Weltkonflikt! Am Anfang des syrischen Krieges haben 130 Staaten und 16 internationale Institutionen daran teilgenommen. Heute sind sie natürlich weniger zahlreich, weil (unverständlich aber es bedeutet: „sie wissen dass der Krieg nicht gewonnen werden kann“) und der Krieg hat schon immense Summen, Dutzende Milliarden Dollar für die hauptsächlichen Akteure gekostet.

Pravda TV: Einverstanden aber wie machen sie es, um sie zu finanzieren? Versorgungswege, die Logistik? Nach dem Abgang von Erdogan, wie soll das weitergehen?

T. Meyssan: Nein, nein, nein! Es gibt keinen Abtritt von Erdogan aus dem syrischen Konflikt. Erdogan hat sich eingesetzt, um die Schaffung eines kurdischen Staates im Norden von Syrien durch die PKK und die syrischen Kurden zu verhindern. Er bekämpft diese Leute, aber absolut nicht Daesh! Es gab auch keine einzige, absolut keine Schlacht mit Daesh außer einem Scharmützel mit einigen Toten. Sie haben sich in Dscharablus einfach in moderate Rebellen verwandelt. Die Türkei hat nie aufgegeben in den Syrienkrieg einzugreifen.syria-ISIS_Nov_2015_AzazConvoy

Pravda TV: Ok. Aus Zeitmangel, die letzte Frage: Laid, die Muslim-Frau, soll ein fürchterliches Blutbad der Dschihadisten in einem Schlachthaus miterlebt haben (Dutzende Ermordungen, Abschlachtungen). Die Schweizer Journalisten sagen, das Video nur 10 Sekunden ausgehalten zu haben. Ich bin ehemaliger Soldat, aber hielt das Anschauen dieses Videos auch nicht aus. Wozu so etwas machen?

T. Meyssan: Es ist eine gut überdachte Strategie von Daesh, die aus einer Zeit datiert (2004), als Daesh noch nicht existierte. Man braucht einen spektakulären Terrorismus. Anfänglich hieß Daesh das Islamische Emirat von Irak, geschaffen von J. Negroponte und General D. Petraeus und alles ist schriftlich reichlich dokumentiert. Dann wird es Daesh im Jahr 2014, mit der Invasion von Syrien, finanziert von Saudi-Arabien und Katar. Es ist ein Shock and Awe Model. Nichts neues seit Apokalypse Now aus dem Vietnamkrieg. Er ist nicht so lange her. Diese schockierenden Bilder werden von profi-Filmregisseuren von einer britischen vom MI6 geförderten kommerziellen Firma gemacht, die Ableger in London, Washington und in der Türkei hat. Die Ästhetik und der Terror sind Profi-Produkte die sich an jene richten. die sie anschauen.

Pravda TV: Das ist schrecklich und ich bin sprachlos. Ich danke Ihnen, Herr Meyssan.

Übersetzung: Horst Frohlich

Quelle: Pravda.ru (Russland)

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