SYRIEN: HERAUSFORDERUNGEN DER AUSEINANDERSETZUNG

Christoph Hörstel: USA/Russland - Prognose 2017! Weltkrieg?!
Christoph Hoerstel

von Christoph R. Hörstel am 09.02.2013

Was dem syrischen Volk geschieht, ist eine wahrhaft entsetzliche Geschichte.
Das Verbrechen einer organisierten Gruppe von Staaten in ihrer regelrecht kriegerischen Einmischung in Syrien wurde erst in der bekannten Form möglich, weil es in Syrien krasse und selbst gemachte Ungerechtigkeiten gab und gibt.
Denn auch das Massaker von Hama aus dem Jahr 1982 ist so eine entsetzliche Geschichte – und die in Syrien leider traditionell verbreitete Vorgehensweise, die  geschildert wird als “Angewohnheit, immer wieder Gefangene zu misshandeln und sogar zu foltern”, hat dazu beigetragen, mit Fehlern der Regierung in Wirtschafts- und Sozialfragen (benachteiligte Sunniten auf dem Lande), einzelne Bevölkerungsteile in die Opposition zu treiben.
Ganz einfach: Wäre der Autor eines dieser Misshandlungs- oder Folteropfer, er hätte auch zur Waffe gegriffen – sie inzwischen jedoch auch wieder weggelegt: Denn persönlich erlittene Unbill ist kein Freibrief dafür, in fremdem Interesse das eigene Land in Schutt und Asche zu legen – und neue Ungerechtigkeiten zu schaffen, ohne die alten zu korrigieren.
Und: Syrien hat erkennbar Fortschritte gemacht:
  • Verfassungsreferendum mit Abschaffung der Einparteien-Herrschaft der Baath-Partei
  • freie Neugründung von anderen Parteien
  • Wahlen
  • Regierungsbildung mit Oppositionsvertreter
  • u. v. m.
zeigen, dass diesem System eine grundsätzliche Reformfähigkeit nicht abzusprechen ist.
Problem: zu wenig und zu spät.
Opposition in Syrien ist aus diesen und vielen anderen Gründen nicht grundsätzlich unberechtigt und schon gar nicht verwerflich.
Hohe persönliche Kultiviertheit und gewinnendes persönliches Auftreten des Präsidenten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass im ihn tragenden System starke und starre Kräfte wirken, bei denen nicht klar ist, ob sie den Präsidenten tragen – oder ihn lediglich benutzen. Vermutlich ist fallweise beides parallel möglich, wie so oft in der Politik. Tatsache ist auch: Es gibt keine andere syrische Integrationsfigur, weder im Regierungslager Damaskus, noch im Oppositionslager Istanbul.
Die Fokussierung der genannten organisierten Ländergruppe, vom Autor wegen ihrer inneren Struktur und Verhaltensweise häufiger als “Nato/GKR-Mafia” bezeichnet, auf den Rücktritt/Rückzug von Assad ist schon ein Hinweis darauf, dass dort eher weniger auf Sachlösungen für alle Menschen in Syrien hingearbeitet wird. Die eigennützige Interessenlage dieser Staatengruppe ist jedoch offen am Tage: Energie-Rohstoffe und Zugänge dazu, Geostrategie, regionalpolitische Machtpolitik und interner Machterhalt – dies vielfach auch im Sinne der einzigen totalen Unrechtsmacht der Region: Israel – alles zusammen ergibt eine Motivationsmischung, die schwer lösbare Probleme schürt und gleichzeitig enorme Großkriegsrisiken schafft.
Das muss irgendwann auch der weltweiten islamischen Bewegung auffallen, die sich aus ihrer ungesunden Verquickung mit US-Interessen dringend lösen sollte. Auch örtliche Liaisons mit China und anderen Spielern (Saudi-Arabien, Qatar) helfen nicht grundsätzlich weiter, schaffen jedoch wachsende grundsätzliche Probleme.
Nicht alle Mitglieder und Teile dieser Islamischen Bewegung sind grundsätzlich unglaubwürdig – doch die Wahl der eingesetzten Mittel erlaubt stets und überall Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit, unabhängig von Fragen zu Religion, Rasse, Nationalität etc.
Eine Lösung der Lage erscheint nur möglich, wenn Syriens Unterstützerländer, Russland und Iran, durchsetzen können, dass sich der Reformkurs in Damaskus beschleunigt, während den dafür geeigneten Rebellen vertretbare Befriedungs-Angebote gemacht werden. Damaskus geht hier vielfach klug vor, längst nicht immer, jedoch stets zu langsam. Auf eine offensivere Medienpolitik muss man bei den drei Ländern nicht mehr setzen, dieses Versagen ist sozusagen “derzeit unumkehrbar” – und kostet viel Geld, Menschenleben, Ressourcen, Zeit etc….
Ob also die stark mediengestützte Aggressionsmaschine der Nato/GKR noch zu stoppen ist und WANN, bleibt dahingestellt.
Aktuelle Kampfhandlungen in (der Nachbarschaft zu) Damaskus deuten darauf hin, dass die US-Mordoption gegen Assad nicht vom Tisch ist. DIESE erscheint derzeit die größte Gefahr für Friedens- und Lösungschancen. Denn die Mordplaner sind kulturell voreingenommen: Die starken Kräfte, die sich ihnen widersetzen gründen sich auf Werte und Staatskonzeptionen, die gerade auch durch das Verhalten der bewaffneten Aufständischen, Söldner und ihre Unterstützerstaaten wieder Zulauf erhalten haben. Wenn Assad diesen Zulauf durch weitere Fehler und Unterlassungen jetzt nicht in Unterstützung für Damaskus umformen kann, ist er erledigt.
Nato/GKR haben ein ganz böses Problem: Ihrer kriminellen Operation in Syrien droht der Erstickungstod durch einen eklatanten Mangel an krimineller Energie und ernsthafter Politikfähigkeit – beides! Das Zeitfenster wird enger – und: Niemand hat Mitleid mit unfähigen Bankräubern.
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