Syrien, Tschetschenien und die Boston-Inszenierung

Syrien in Boston

Was hat Syrien mit dem Anschlag in Boston zu tun? Auf dem ersten Blick nichts; und trotzdem liefert dieses Ereingnis und der aufgesetzte Medienhype die wesentliche Erklärung für den Stillstand des Kerry-Lawrow-Plans. Wenn sich in Syrien nichts vorwärtsbewegt, dann deswegen, weil Washington und Moskau auf unvorhergesehene Schwierigkeiten gestoßen sind; eine davon ist die komplexe Lage in Tschetschenien.

von Thierry Meyssan

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Die Implementierung des Kerry-Lawrow-Plans für Syrien wurde durch Schwierigkeiten unterbrochen, welche beiden Großmächten widerfuhren. Auf der US-Seite scheint es Probleme zu bereiten, von den Alliierten Gehorsam einzufordern, die man selbst gegen Syrien eingesetzt hat und denen man nun ohne Belohnung den Rückzug befiehlt. Auf der russischen Seite beobachtet man mit Sorge die plötzliche Ankunft von Kämpfern aus dem Kaukasus. Sie könnten mit den Friedenstruppen der Organisation kollektiver Sicherheit spielen wie einst mit der Roten Armee in Afghanistan.

Plötzlich scheint der Teamwechsel in der Obama-Administration keine Früchte zu tragen. John Kerry selbst widerspricht sich von einem Satz zum anderen, so dass niemand ein Ende des Tunnels sieht. Unter Ausnutzung dieses Augenblicks erscheinen neue Oppositionskräfte im Kongress, wo drei Gesetzesprojekte eingereicht wurden. Das erste setzt das israelische Zerstörungs-Projekt Syriens fort. Das zweite vertritt die Interessen des Militärisch-Industriellen Komplexes: einen begrenzten Krieg. Das dritte teilt sich das Gas auf. Vor diesem Hintergrund fand also das BostonAttentat statt.

Ein doppelter Bombenanschlag tötete drei Menschen und verletzte mehr als 100 andere am Ende des Boston-Marathons am Montag, den 15. April 2013 um 14:50 Uhr (Ortszeit). Durch die überraschende Entdeckung eines Rucksacks mit einem Schnellkochtopf-Deckel und Videos von Überwachungskameras war es den Behörden am Donnerstag um 17:10 Uhr möglich, die Fotografien von zwei Verdächtigen, den Brüdern Timur (26 Jahre) und Dschokhar (19 Jahre) Tsarnaev zu veröffentlichen. Freitag entflohen die Brüder einem Polizisten, den sie auf dem Campus des MIT töteten. Dann, nachdem sie einen Mercedes entführt hatten, wurden sie von der Polizei gestellt. Mehr als 200 Schüsse wurden während der Nacht ausgetauscht, und beide Brüder wurden verwundet. Timur starb am Beth-Israel Spital. Sein Bruder Dschokhar entkam zu Fuß, bevor er von der Polizei verhaftet wurde.

Diese Affäre hat alle TV-Sender der Welt mobilisiert. Aus Machatschkala (Hauptstadt von Dagestan) haben die Verwandten der Verdächtigten behauptet, sie wären manipuliert worden. Ihre Mutter, die offenbar von der US-Polizei unter Druck gesetzt wurde, betonte besonders, sie hätten sich unter direkter Aufsicht des FBI befunden und keine Operation unternehmen können, ohne dass das FBI davon gewusst hätte. Der Gouverneur von Tschetschenien, Ramzan Khadirov, bemerkte hingegen, dass die Verdächtigten nicht in Russland gelebt hatten, und schloss im Voraus alle Verbindungen mit seinem Land aus.

Das persönliche Engagement von Barack Obama, der vier Mal eingriff und sich in die Kathedrale von Boston begab, um dort eine Moralpredigt zu halten, zeigt die Bedeutung des Ereignisses. Der Anruf  von Wladimir Putin konzentrierte sich die Wiederbelebung der Anti-Terror-Kooperation. Diese könnte sich  jedoch in zwei entgegengesetzte Richtungen entwickeln.

Wenn man davon ausgeht, dass der gemeinsame Feind der tschetschenische Terrorismus ist, kann man daraus schließen, dass er nicht nach Syrien kommen wird; die USA und Russland werden vereinbaren, ihm überall auf der Welt – einschließlich der Levante – die Stirne zu bieten. Genauso kann man aber annehmen, dass Washington und Moskau ihn zu Hause besiegen werden, aber ihn anderswo ignorieren. Das Problem mit solchen Attentaten ist, dass sie widersprüchliche Entwicklungen ermöglichen, die nur diejenigen kennen, die sie geplant haben. Und jederzeit können neue Gesichtspunkte an den Tag treten, die die Art, mit der das Attentat betrachtet wird und die politischen Konsequenzen, die daraus gezogen werden, in eine andere Richtung lenken.

Wie dem auch sei, wir können sagen

(1), dass die tschetschenische Sache die Russen in Syrien behindert,

(2), dass das Boston-Attentat eine Inszenierung war, um den tschetschenischen Terrorismus in die vordersten Schlagzeilen zu bringen, und

(3), dass die Art und Weise, in der diese Frage präsentiert wird, die Folge der Ereignisse in Syrien bestimmen wird.

Der einzig wunde Punkt der Sache ist das Überleben von Dschokhar Tsarnaev. Ein 19 jähriger Junge ist unkontrollierbar.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Al-Watan (Syrien)

http://www.voltairenet.org/article178273.html

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