USA gegen Nordstream: Der Wirtschaftskrieg um Gaslieferungen in Europa beginnt

USA gegen Nordstream: Der Wirtschaftskrieg um Gaslieferungen in Europa beginnt
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Nachdem Donald Trump seine Strategie der „Energiedominanz“ öffentlich vorgestellt hat, wachen nun auch Politiker und Wissenschaftler in Deutschland auf. Anders als der aktuelle Präsident es darstellt, plant die US-Regierung schon seit Jahren, den europäischen Energiemarkt aufzurollen.

von Malte Daniljuk – RT Deutsch

Erdgasgewinnung durch FrackingLange Zeit herrschte klammheimliche Stille um die europäische Energiepolitik. Abgesehen von wenigen Politikern und Spezialisten kümmerte sich kaum jemand um die Diskussionen in der Europäischen Kommission. Als die EU im April 2014, mitten in der eskalierenden Ukraine-Krise, beschloss, ihre Strategie darauf auszurichten, aus Übersee Flüssiggas (LNG) zu exportieren, fragte niemand öffentlich nach, woher diese Ressourcen kommen sollen.

Seit wenigen Wochen stehen geplante amerikanische LNG-Exporte nach Europa plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit. Die Abgeordneten des amerikanischen Senats kündigten an, dass sie Sanktionen gegen europäische Energieunternehmen verhängen werden, die mit russischen Staatsunternehmen Geschäfte machen. Und sie begründeten diese Maßnahme unumwunden mit wirtschaftlichen Interessen der USA: Die heimische Fracking-Industrie brauche neue Absatzmärkte.

Nun schlagen auch europäische Energiekonzerne wie die BASF-Tochter Wintershall oder OMV aus Österreich Alarm. Die Betreiber der deutsch-russischen Ostseepipeline Nordstream warnen vor „eklatanten Auswirkungen auf die gesamte Öl- und Gasversorgung.“ Auch die Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, spricht plötzlich Klartext: Die Sanktionen seien ein gezielter Versuch, amerikanischen Produzenten Marktanteile auf den globalen Energiemärkten zu sichern, so die DIW-Expertin gegenüber der Passauer Neuen Presse.

Es herrscht ein Krieg um fossile Energie. Es geht um die Wirtschaftsinteressen der USA zulasten von Europa und Russland.“

Unmittelbar vor dem G20 hatte der US-Präsident einen Ausflug nach Polen unternommen. Dort kündigte Trump den ersten Schritt in einer neuen Ära der amerikanischen „Energiedominanz“ an. Zukünftig werde man aus den USA mehr fossile Energien – Erdgas, Erdöl und Kohle – exportieren. Die Abnehmer, etwa von Flüssiggas, sollen die osteuropäischen EU-Staaten sein. Europa ist immer noch der lukrativste Energiemarkt der Welt.

Damit die in den USA aktiven Unternehmen in den weltweiten Gasmarkt einbrechen können, müssen natürlich die bisherigen Anbieter verdrängt werden. Dies betrifft neben Katar vor allem Russland. In Europa stellt vor allem die geplante Erweiterung der Nordstream-Pipeline durch die Ostsee ein absehbares Hindernis für die US-Exporte dar, weil sie den russischen Anteil am EU-Gasmarkt langfristig absichert.

Was Donald Trump nun, vollmundig wie gewohnt, als eine Initiative seiner Regierung ankündigt, um mithilfe „schöner, sauberer Energie“ in den USA neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist tatsächlich ein strategisches Projekt, das bereits seine Vorgänger Barack Obama und George W. Bush vorbereitet hatten. Der selbst ernannte „Dealmaker“ setzt sich in ein bereits gemachtes Nest. Bereits in der erstem Amtszeit von Barack Obama hatte sich abgezeichnet, dass die „Fracking-Revolution“ den Energiemarkt radikal verändern wird.

Geopolitik und Energie: Eine langfristige Strategie der “Energiedominanz”Gegen Ende der ersten Amtszeit stellte Obama seine energiepolitische Strategie vor. Wie bereits George W. Bush setzte auch er vollständig auf „heimische Öl- und Gasreserven sowie deren Förderung mithilfe neuer Technologien“ – sprich: Hydraulic Fracturing, auch bekannt als Fracking. Gegenüber dem Jahr 2008 hatte sich die amerikanische Ölförderung bereits um gut 1,5 Millionen Barrel am Tag erhöht – erstmals seit dem Jahr 1985 und gleich um eine beeindruckende Quantität.

Schon im folgenden Jahr diskutierte die energiepolitische Szene in den USA, wie sie diese neuen Energie-überschüsse politisch einsetzen kann. So erwartete etwa Leonardo Maugeri, dass mit der Fracking-Technologie eine deutliche Machtverschiebung hin zur „westlichen Hemisphäre“, das heißt zum amerikanischen Kontinent einsetzen werde.

Kurz darauf meldete sich der von Barack Obama eingesetzte Spezialbeauftragte für Energie im Außenministerium, David Goldwyn, mit einer fertigen Strategie in der New York Times. Goldwyn sprach erstmals öffentlich aus, dass die USA zukünftig Energie exportieren könnten, etwa nach Europa. Die Autonomie, beispielsweise der osteuropäischen Länder und die Freiheit von Europa, sich seine Energielieferanten frei zu wählen, seien „strategische außenpolitische Interessen“ der USA, so der Sonderbeauftragte des Außenministeriums mit Blick auf Russland.

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