Verborgene Geschichte: Gab es um 1350 einen Katyklysmus?

kölner_dom

Betrachtungen zur Zeitfälschung — Dr. Gert Meier

(veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 2/2004)

Link zum Orignalartikel: http://www.efodon.de/html/archiv/chrono/meier/zeitfaelschung.html

1. Zur Chronologiekritik und dem Umgang mit ihr, wenn man für normale Menschen schreibt

Zu den Chronologiekritikern gehöre ich nicht. Davon verstehe ich zu wenig. Das bedeutet: ich kann zu dieser Frage keine Stellung beziehen. In meinem Buch „Die deutsche Frühzeit war ganz anders“ (1) habe ich auf das Dilemma eines Autoren hingewiesen, der bei der Behandlung des Themas „Karl der Große“ auf die Behauptung von Heribert Illig (2) und anderer (3) gestoßen ist, wonach die Geschichte dieses fränkischen Stalins, sollte er denn je gelebt oder die Taten begangen haben, deren die Geschichtswissenschaft ihn zeiht, frei erfunden sei. Andere wieder können darlegen, dass die Thesen Illigs durch zahlreiche Münzfunde, vor allem in den skandinavischen Ländern, die außerhalb des Zugriffs der Fälschergilde lagen, numismatisch widerlegt sei. Aber das bringt auch nicht viel weiter, wenn es diese auf den Münzen abgebildeten Herrscher zwar gab, aber zu anderer Zeit und mit ganz anderen Lebensinhalten; wenn es einen Karl zwar gab, aber als Kleinkönig von Aachen. Wie habe ich mich beholfen? Ich habe die Meinung von Illig erwähnt und dann die herkömmliche Geschichte von Karl „dem Großen“, mich auf Ernst W. Wies (4) stützend, so abgehandelt, als ob sie stattgefunden hätte. Was sollte ich damals anderes tun? Der geschätzte Leser hätte sich, hätte ich mich Illig angeschlossen, an die Stirn getippt – und das Buch mit den zahlreichen zusätzlichen Informationen nach den ersten zehn Seiten dankend beiseite gelegt. Das hat er nach hundert Seiten wahrscheinlich ohnehin getan. Aber hundert Seiten Informationen hat er doch zusätzlich mitgenommen.

Was ich damit sagen will, ist folgendes: Man tut sowohl der konventionellen Forschung als auch der Chronologiekritik einen Bärendienst, wenn man beide Positionen in einer wissenschaftlichen Abhandlung verbindet. Ein bekannter Vertreter der Chronologiekritik und Autor dieser Zeitschrift hielt im Oktober in Bad Laer einen hervorragenden Vortrag zum Thema: Vor- oder frühgeschichtliche Liniensysteme im Raum Karlsruhe. Er würzte seinen Vortrag indessen mit der Behauptung: Kaiser Friedrich Barbarossa sei der Anführer der Barbaren gewesen und hätte gegen die Römer gekämpft. Niemanden hat unser Freund zur Chronologiekritik bekehrt. Aber viele haben den Kopf geschüttelt, und der Redner hat völlig überflüssigerweise seine Ausführungen zum Thema „Liniensysteme“ entwertet. Die Vertreter der Chronologiekritik sollten unnötige Eigentore vermeiden.

Ich teile auch nicht die Meinung eines mir befreundeten Chronologiekritikers, der Skrupel an Veröffentlichungen hegt, weil keine Chance besteht, die öffentliche Meinung jemals für sich zu gewinnen. Es ist die heilige Pflicht eines jedes Wissenschaftlers, die Lanze für das zu brechen, was er für die Wahrheit hält. Die Welt ist voller Voreingenommener, die nicht bereit sind, ihre Meinung notfalls zu revidieren. Und karrieresüchtige Feiglinge gibt es mehr als genug. Aber es gibt auch genügend Gutwillige, die nur mangels Informationen immer noch zur Spreu statt zum Weizen gehören. Und für die schreiben wir. Wer seine Meinung in der Hoffnung kund tut, „die Wissenschaft“ von seiner abweichenden Meinung zu überzeugen, nun ja, dem will ich seinen guten Glauben an das Gelingen dieser Absicht nicht zerstören, – wenn das, was er in der Sache bringt, wissenschaftlich weiterführt.

 2. Zu einigen Thesen der ZeitFälschung von Uwe Topper, die ungelöste Rätsel erklären könnten

Uwe Topper hat, sehr belesen, über den Ursprung unseres heutigen Geschichtsbildes geschrieben. Die Schlüssigkeit seiner Thesen kann ich nicht überprüfen und noch weniger beurteilen. Ich habe es nur bis zu meinem hannoverschen Kollegen Wilhelm Kammeier gebracht, und danach wurde die katholische Kirche im Jahre 1409 auf dem Konzil von Pisa gegründet. Zu Recht hat Wolfram Zarnack Kammeier gegen die unausgewogene Kritik von Heribert Illig in Schutz genommen (5). Wilhelm Kammeier könnte deshalb für das Thema „Geschichtsfälschung“ ein gemeinsamer Nenner auch der Jesus-Skeptiker sein (6).

Illig geht über Kammeier hinaus, indem er dreihundert Jahre deutscher Geschichte, das gesamte frühe Mittelalter, für frei erfunden hält. Die Ottonen schließen an die Merowinger an. Ihm folgt – insoweit – Zarnack. Topper wiederum geht einen Schritt weiter und erklärt, warum es zur „Großen Aktion“, der Fälschungsaktionen der römisch-katholischen Kirche kam. Um 1350 habe es eine Zerstörung ungeahnten Ausmaßes gegeben. Den „letzten großen Ruck“ nennt er dieses Ereignis in Anlehnung an den Schweizer Historiker Egon Friedell. Die Überlebenden hätten zunächst versucht, sich der Vergangenheit zu erinnern, bis die sich zunächst in Frankreich konstituierende später römische Kirche die Erfindung der Geschichte in ihre Hand genommen habe.

Ich finde – bei aller nachstehend geäußerter Kritik – diesen Ansatz von Topper vom Ergebnis her interessant und, sollte Topper Recht haben, epochemachend. Eine ganze Reihe von bisherigen Rätseln der Geschichte würden sich zwanglos erklären, wenn Uwe Topper Recht hätte. Ich greife einige heraus.

 a) Die Renaissance

Das Wort „Renaissance“ bekäme einen ganz anderen, seinen ursprünglichen Sinn „Wiedergeburt“ im wahrsten Sinne des Wortes, wenn den Thesen Toppers zu trauen wäre. Aus den Trümmern der Antike, hervorgerufen durch einen Kataklysmus, ist die Welt nach 1350 wiedererstanden. Auferstanden aus Ruinen… Ein zwischen Antike und dem „letzten großen Ruck“ liegendes mehr oder weniger dunkles Zeitalter hätte es nie gegeben. Der Sinngehalt des Wortes „Renaissance“ spricht für Uwe Topper.

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Weiterlesen:

http://www.efodon.de/html/archiv/chrono/meier/zeitfaelschung.html

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